Die Ritter von Marienburg, Roman

Die Ritter von Marienburg, Roman

ByAlexander von Sternberg

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Es war am frühen Morgen eines Oktobertages, als zwei einsame Reiter auf einem der Pfade dieser unabsehbaren Fläche sich zeigten. Es war der Weg, der von vem letzten Vorwerke in gerader Linie nach Marienburg selbst führte. Da es in der letzten Hälfte des Monats war, so hatten sich die heftigen Winterstürme bereits eingestellt, und da der wilde Hauch geradewegs vom Meere kam, so führte er eine eisige Schärfe mit sich, ein Beweis, daß bereits die Ufer des frischen Haffs sich mit einer Eisdecke zu belegen angefangen hatten. Der Winter hatte diesmal besonders früh seinen Einzug gehalten, willkommen für den Landmann, der damit das Ende der kleinen Zänkereien und Streitigkeiten sah, die fortgesetzt bis jetzt zwischen dem Orden und seinen heidnischen Nachbarn geherrscht hatten. Die Kälte mäßigte in etwas die Glut dieser Unruhigen und hielt sie auseinander, ein Erfolg, der der Klugheit uud der Mäßigung der Oberen nicht gelingen wollte. Zugleich hatte aber dieser frühe Winter die Niederung ganz besonders einsam gemacht. Die Einwohnerschaft der Dörfer, die selbst in guter Jahreszeit nie sehr zahlreich war, aus denselben Gründen, die auch die kleinen Verschanzungen und Niederlassungen verödete, hatte sich in Masse fortgemacht und die Städte aufgesucht, in deren Schutz sie sich gegen die Unbill der Menschen wie des Elements gleich sicher fühlte. Sie wurde von den Städtern, die ungern ihre Zahl so anwachsen sahen, zu harten Fronarbeiten gezwungen, allein sie unternahm diese willig in der Aussicht auf die eben bezeichneten Vorteile. Der Reisende, der gerade jetzt gezwungen war, den Weg über die Haideflächen zu nehmen, fand, wenn er nach anhaltendem Kampf mit Dunkelheit, gefährlichen Wegen und eisigen Stürmen glücklich ein in den Nebeln des nahen Morastes halb verstecktes Dorf aufgefunden, die Häuser leer, die Haustüren offen, die Fenster ausgehoben, und zwischen den leeren Wänden die Nacht und die Kälte fest eingebürgert, deren Bekanntschaft er schon draußen zur Genüge gemacht. Er konnte von Glück sagen, wenn er ein einsames Licht entdeckte, das auf irgend einem verlassenen Herd brannte, der provisorisch von einer wandernden Gauklerbande eingenommen war, oder von den Treibern einer Herde Zugvieh, oder von herumziehenden Händlern, die unter militärischer Eskorte die Straße nach einem Meßort zogen. Es gehörte zu den höchst seltenen Fällen, und nur die Aussicht auf reichlichen Gewinn trieb dazu, daß eine Schenke oder Herberge, wie sie in guten Zeiten im Dorfe bestand, sich

Details

Publication Date
Jun 28, 2021
Language
German
Category
Fiction
Copyright
No Known Copyright (Public Domain)
Contributors
By (author): Alexander von Sternberg

Specifications

Pages
301
Binding Type
Hardcover Case Wrap
Interior Color
Black & White
Dimensions
US Trade (6 x 9 in / 152 x 229 mm)

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