Der Krieg Napoleons gegen Rußland im Jahr 1812

Der Krieg Napoleons gegen Rußland im Jahr 1812

ByErnst Seraphim

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Die Schlacht bei Jena am 14. (2.) Oktober 1806 hatte die preußische Monarchie über den Haufen geworfen. „Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeern Friedrichs des Großen, welcher, der Herr seines Jahrhunderts, eine neue Zeit schuf! Wir sind mit derselben nicht fortgeschritten, deshalb überflügelt sie uns.“ So schrieb im Rückblick auf die Katastrophe, die den Kriegsruhm des friedricianischen Heeres vernichtete und zum Frieden von Tilsit (9. Juli 1807) führte, die edle Königin Luise von Preußen. Vergeblich war der Widerstand gewesen, den die zersprengten Reste des Heeres, gestützt auf eine herangekommene russische Armee, im äußersten Osten der Monarchie den napoleonischen Truppen entgegengestellt hatten. Der Sieg Napoleons erschütterte den Glauben Kaiser Alexander I. an die Möglichkeit, dem Korsen mit Erfolg die Stirn bieten zu können, so sehr, daß er Preußen seinem bitteren Geschick überließ, sich selbst aber, indem er das napoleonische Herrschaftssystem bis zur Weichsel anerkannte, freie Hand im Osten sicherte. Preußen wurde durch den Frieden aus der Zahl der Großmächte gestrichen und Bedingungen unterworfen, deren Schwere womöglich durch die Gehässigkeit und Treulosigkeit in ihrer Ausführung durch die Franzosen überboten wurde. Es wurde auf das Gebiet östlich der Elbe beschränkt, verlor jedoch auch hier seine polnischen Landesteile. Um die Hälfte verkleinert, wurde es durch ungeheure Kontributionen erdrückt und gänzlich ausgesogen. Der Druck des gegen England gerichteten Kontinentalsystems tat das Seinige, um das französische Joch noch furchtbarer zu machen. Handel und Wandel stockten. In ihren materiellen Lebensbedingungen empfindlich geschädigt, wandten sich auch die, bei denen ethische Momente wenig galten, gegen die Handelspolitik des Kaisers, die auf die Dauer ebensowenig haltbar war, wie sein politisches System. Noch freilich traten diese Erscheinungen nicht offen zu Tage, die harte Hand des Imperators lastete noch gebietend auf Europa. Noch erkannten wohl auch nur die Wenigen, die Einsichtigen, daß der unerträgliche Haß, den seine Gewaltherrschaft gesät hatte, der Druck, unter dem alles seufzte, eine allgemeine Erhebung herbeiführen mußte. Diese sittliche und fromme Überzeugung wuchs langsam, aber in den Tiefen des Volkes wurzelnd, in dem zerschmetterten Preußen empor...

Details

Publication Date
Sep 27, 2024
Language
German
Category
History
Copyright
No Known Copyright (Public Domain)
Contributors
By (author): Ernst Seraphim

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Format
EPUB

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