Der Held von St. Amarin
Erzählung aus den Vogesen
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In den Südvogesen weitet sich westlich von der Industriestadt Mülhausen zwischen dem Städtchen Thann und dem Dorfe Oberaspach das Ochsenfeld, eine Ebene, an die sich Geschichte und Sage einträchtig geheftet haben. Sie geht abendwärts in das Hügelland über und wird hier von dem St. Nikolausbache in der Nähe des Rothenberges durchschnitten. Auf das Ochsenseld verlegt die geschichtliche Forschung den Schauplatz des entscheidenden Ringens zwischen Julius Cäsar und dem mächtigen Germanenfürsten Ariovist im Jahre 58 vor Chr., das mit dein Siege des Römers endete und der deutschen Herrschaft westlich des Rheins auf viele Jahrhunderte ein Ende bereitete.
Einen Tag der Schande sah das Ochsenseld am 29. Juni 833. Die drei ruchlosen Söhne Kaiser Ludwigs des Frommen, des Sohnes Karls des Großen, hatten sich gegen ihren Vater aufgelehnt, um die Einheit des fränkischen Reiches zu zerbrechen und dieses unter sich aufzuteilen. Auf dem Ochsenfeld vereinigten die Empörer: Ludwig, Pipin und Lothar ihre Heere, und lagerte auch ihr Vater, der von Straßburg her mit seinen Kriegshaufen gezogen war. Aber es kam nicht zur Schlacht, denn durch Geschenke und Versprechungen gewonnen, durch Drohungen eingeschüchtert, fielen die Anhänger des Kaisers von ihm ab und gingen zu den Aufrührern über. Ludwig wurde von seinen eigenen Söhnen entthront, die das Reich zerstückelten. Damit zerfiel die gewaltige Schöpfung Karls des Großen. Die Stätte aber, wo Eidbruch und Treulosigkeit einen häßlichen Triumph gefeiert, hieß von nun an das Lügenfeld oder der Lugner.
Auch die blutroten Fluten des Dreißigjährigen Krieges bespülten diesen Boden. Um das Oberelsaß zu retten, trat hier Herzog Karl von Lothringen am 3. März 1634 dem Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar entgegen, erlitt jedoch eine schwere Niederlage.
Mitten auf dem Ochsenfelde ragt ein Felsstück, das im Volksmund der Bibelstein heißt. Die Sage hat sich seiner bemächtigt und den Aufenthalt Kaiser Friedrichs I., des Rotbarts, unter diesen Stein verlegt. In der Erde sitzt der gewaltige Hohenstaufe und schaut zu, wie sein Bart endlos wächst. Mancher Sterbliche, der sein Ohr an den Stein gelegt, hat das Rauschen des Bartes und sein Wachsen schon gehört. Aber es muß tiefste Stille in der Runde herrschen, sonst fängt der Lauscher nichts auf...
Details
- Publication Date
- Jan 13, 2023
- Language
- German
- Category
- Fiction
- Copyright
- No Known Copyright (Public Domain)
- Contributors
- By (author): Otto von Schaching
Specifications
- Pages
- 193
- Binding Type
- Paperback Perfect Bound
- Interior Color
- Black & White
- Dimensions
- Novella (5 x 8 in / 127 x 203 mm)