Deutsch oder Welsch
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Es war um die Mittagszeit, als ein junger preußischer Offizier auf ein neues und elegantes Haus am Quai des Illflusses in Straßburg zuschritt. Leicht war zu erkennen, daß es zu den Neubauten gehörte, welche in Folge der Zerstörungen durch die Belagerung von 1870 entstanden waren. Zum Teil auch machten denselben Eindruck die anstoßenden Fabrikgebäude, an deren nach der Straße zugekehrten Giebelwand in goldener, deutscher Schrift die Firma „Bürheim u. Comp., Baumwollen-Waren“ prangte.
Eben hatte die Glocke der Fabrik geläutet, und gruppenweise kamen die Arbeiter aus dem eisernen Tor heraus, welches den Eingang zu dem Hofraum bildete, auf dem die Werkstcllen sich befanden. Der hohe Schornstein von neuen, roten Backsteinen schickte nur noch ein dünnes Wolkenstreifchen in die sonnige Septemberluft; die Dampfmaschine hatte eine Stunde Ruhe.
Dem Offizier, indem er durch die Gruppen der Arbeiter seinen Weg nehmen mußte, fiel die sichtliche Aufregung der meisten darunter auf, und es schien ihm sogar, als gebe sein Anblick mit Veranlagung dazu. Er verstand zwar wenig von dem, was einzelne der Blusenmänner in dem breiten, elsässischen Französisch äußerten, indem sie ihm nach blickten, als er auf die Steinstusen zu dem Eingang des Wohnhauses trat; dock genügte das Wenige, ihn zu überzeugen, daß die Worte den feindseligen, trotzigen Mienen entsprachen, welche sie zur Schau trugen.
„Ein Prusse!“
„Wie unser Patron!“
„Zum Teufel die ganze Wirtschaft!“
Diese Auslassungen und ähnliche andere, mit etwas Flüchen gemischt, schlugen an das Ohr des Offiziers, ohne daß er es zu beachten schien. Er trat schnell in den Flur und öffnete die Tür des hier befindlichen Comptoirs. Ein Blick, und er erkannte auf dem Drehschemel vor einem der Pulte den, welchen er suchte.
„Georg Völker!“ rief er mit glänzenden Augen im wettergebräunten Gesicht.
„Schellwien!“ antwortete dieser schon in demselben Augenblick und eilte, den Besucher durch herzlichen Händedruck willkommen zu heißen.
„Ist es möglich?“ fuhr er fort. „Sie hier in Straßburg? Und noch immer im bunten Rock?“
„Ich bin im Dienst geblieben, ja, und jetzt auf Kommando in Straßburg,“ sagte der Offizier, indem er freudig in das intelligente, bartumrahmte Gesicht des Freundes blickte. „Mein erster Gang war Ihnen bestimmt.“
Details
- Publication Date
- Sep 27, 2024
- Language
- German
- Category
- Fiction
- Copyright
- No Known Copyright (Public Domain)
- Contributors
- By (author): Eduard Schmidt-Weißenfels
Specifications
- Format
- EPUB