Vormarsch

Vormarsch

ByWalter Bloem

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Meine drei Romane aus dem Krieg von 1870 und 71 habe ich begonnen im Frühjahr 1909 und beendet im Sommer 1913. Von meinem vierzigsten bis zu meinem fünfundvierzigsten Lebensjahr haben sie all mein Sinnen und Trachten ausgefüllt. Dennoch war es mir nicht vergönnt, ihnen allein zu leben. Vom Frühjahr 1911 an war ich gleichzeitig als Dramaturg und Regisseur am Stuttgarter Hoftheater tätig bis kurz vor Ausbruch des Krieges. Volk wider Volk und Schmiede der Zukunft sind neben dieser Tätigkeit entstanden. Als die Kriegsromane vollendet waren, setzte ich mir neue Ziele. Die elsaß-lothringische Frage wuchs ganz von selbst in meinen Gesichtskreis und drängte zur schaffenden Mitarbeit. Einen Urlaub meiner Intendanz benutzte ich zu einer längeren Studienreise ins Elsaß im Frühjahr 1914. Während ich im Klosterfrieden von Sankt Odilien meine Eindrücke sichtete und die ersten Kapitel des Verlorenen Vaterlands niederschrieb, machte mein körperlicher und seelischer Zustand es mir klar, daß ich mir fürder die Überbelastung des Doppelberufs nicht mehr zumuten dürfe. Ich löste alle meine Stuttgarter Verpflichtungen und beschloß, am 1. September mit meiner Frau, meiner sechzehnjährigen Tochter und meinem fünfzehnjährigen Sohn, von aller Daseinsfron entlastet, in die herrlich weit sich plötzlich vor mir öffnende Welt hinauszufliegen. Ein Hauslehrer, eine Reisebegleiterin wurden verpflichtet, alle Vorbereitungen für eine mehrjährige Auflösung des Haushalts wurden getroffen. Von aller Welt abgeschieden wollten meine Frau und ich nur uns, unsrer jungen Freiheit, meiner Arbeit und unsern Kindern leben. Die letzten Jahre, während deren unsere Kinder noch dem Elternhause angehören würden, wollten wir dankbar und engverbunden auskosten. Wie viel galt es da nachzuholen! Hatte doch die wirre Zickzackfahrt meines Lebens, der harte Daseinskampf mich und die meinen bislang fast ganz um das Glück ruhigen Beieinanderseins betrogen. Eine Pflicht nur war zuvor noch abzutragen. Das Regiment, dessen Reserve ich als Hauptmann angehörte, durfte erwarten, daß ich einmal wieder durch Ableistung einer militärischen Übung mir die Ehre verdiente, seine Uniform zu tragen. So reiste ich am 18. Juni nach Frankfurt an der Oder, um vier Wochen lang im geliebten Waffendienst mich zu tummeln. Dann aber würde ich ganz, ganz frei sein – dann würde der Lohn kommen für ein langes Leben strenger Arbeit und unbeirrten Aufwärtsstrebens.

Details

Publication Date
Jan 2, 2022
Language
German
Category
History
Copyright
No Known Copyright (Public Domain)
Contributors
By (author): Walter Bloem

Specifications

Pages
224
Binding Type
Hardcover Case Wrap
Interior Color
Black & White
Dimensions
US Trade (6 x 9 in / 152 x 229 mm)

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