Straßburg

Straßburg

Historischer Roman

ByEduard Schmidt-Weißenfels

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Eines der ansehnlichsten Häuser in einem der alten Stadtviertel von Straßburg gehörte dem Baumwollfabrikanten Louis Besson. Die große, renommierte Fabrik lag an der Ill, welche die Stadt durchfließt; das Haus bildete die Residenz der wohlhabenden Familie, und niemand weiter, als der Hausmeister, wohnte außer ihr in demselben. Vielleicht stammte es noch aus der Zeit, in welcher Straßburg als deutsche Reichsstadt zu der deutschen Hansa gehörte und die Zierde eines bürgerlichen Gemeinwesens besaß. Seine Patrizier von damals gaben denen von Nürnberg und Frankfurt nichts nach, an Sinn für Kunst und Wissenschaft nicht, noch an stolzem deutschem Selbstgefühl und an Reichtum. Ihre Häuser waren mit all’ der Behaglichkeit ausgestattet, die noch heute ihren Vorzug bildet; sie waren das Kleinod, das teure Vermächtnis, welches von Vater auf Sohn sich vererbte und hoch in Ehren gehalten wurde. Solch’ ein Haus, immer stattlich mit seinem großen, hallenartigen Torweg, seinen breiten Wänden zwischen den Fenstern, wie neu und stolz auch die anderen Häuser ringsum sich aufgebaut, wird gleichsam das Kleid der es erbenden Familie; es hat seinen Genius, der den Inwohnern den Charakter aufdrückt, wie er zu den weiten Räumen, den schweren Pfeilern, den mit Holz getäfelten Gemächern, zu dem Ernst und der bürgerlichen Würde des ganzen Baues paßt. Herr Besson, der weder aus Straßburg gebürtig, noch in solch’ altdeutschem Haus aufgewachsen war, hatte diese Einwirkung der Stätte auf den Menschen an sich selbst erfahren und rühmte sich dessen nicht ohne Stolz. Vor etlich dreißig Jahren war er als junger Mann nach Straßburg gekommen und Gehilfe im Geschäft des Herrn Bürheim geworden, des letzten männlichen Nachkommen einer alten, angesehenen Stadtfamilie, dem auch jenes Patrizierhaus vererbt worden war. Besson hatte sich in die einzige Tochter Bürheims verliebt und es schließlich erreicht, sie zur Frau zu erhalten. Als Schwiegersohn hatte er dann das Familienhaus wie das Geschäft geerbt, welches er unter der uralten Firma von Bürheim und Kompagnie fortsetzte. Besson, in der Franche-Comté1 geboren und Franzose mit all’ dem übertriebenen Selbstgefühl, welches seiner Nation innewohnt, hatte seine Heirat und ebenso seine stattliche Erbschaft wie eine Eroberung seiner Nationalität über die deutsche, als einen Teil der Französierung aufgefaßt, zu welcher das Elsaß mit Straßburg seit dem schmachvollen Raub Ludwigs XIV. im Jahr 1681 unfehlbar auch ihm als bestimmt erschienen...

Details

Publication Date
Jan 15, 2023
Language
German
Category
Fiction
Copyright
No Known Copyright (Public Domain)
Contributors
By (author): Eduard Schmidt-Weißenfels

Specifications

Pages
114
Binding Type
Paperback Perfect Bound
Interior Color
Black & White
Dimensions
US Trade (6 x 9 in / 152 x 229 mm)

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